China geht einkaufen: Der Börsengang von Pirelli

By | April 22, 2015

ChemChina ist ein chinesischer Chemiekonzern mit einem Vermögen von 44 Mrd. US-Dollar und dem Wunsch Italiens Prestigemarke Pirelli zu übernehmen. Pirelli Reifen sind einer der bekanntesten Geschäftsfelder des Unternehmens. Pirelli-Chef Marco Tronchetti Provera, der ebenfalls den größten Pirelli-Anteilseigner Camfin leitet, sieht keinen anderen Interessenten als ChemChina für die Übernahme des Konzerns. Camfin hält aktuell 26,2% an Pirelli und würde als erster Anteil in den Besitz des chinesischen Konzerns für 1,9 Mrd. Euro übergehen.

Der chinesische Chemieriese bietet 7,66 Mrd. US-Dollar, umgerechnet 7,1 Mrd. Euro, für einen der größten Hersteller für Autoreifen. Pirellis Aktionäre haben dem Angebot bereits zugestimmt. Vor Bekanntwerden der Verhandlungen bot ChemChina den übrigen Aktionären die Aktie für je 15 Euro an und somit für nur vier Prozent Aufschlag auf den letzten Schlusskurs.

ChemChina würde bei erfolgreicher Übernahme eines der größten Einstiege eines staatlichen chinesischen Unternehmens im Ausland gelingen. Pirelli Reifen haben das Unternehmen zum fünftgrößten Reifenhersteller der Welt reifen lassen und stehen für überdurchschnittliche Margen. Für den chinesischen Markt bedeutet diese Erfolgsgeschichte auch die Akquisition von Know-How, was der Entwicklung der chinesischen Automobilindustrie zu Gute kommen würde.

Das 143 Jahre alte italienische Traditionsunternehmen ist aus rein wirtschaftlicher Sicht ein großer Coup für die Chinesen. Mit sechs Mrd. Euro Umsatz und einem Netzwerk in 160 Ländern der Erde bietet Pirelli ein fast unschlagbares Imperium. Zusammen mit dem momentan schwachen Euro gepaart mit einer sich erholenden Wirtschaft im Euroraum bieten sich vielversprechende Kapitalrenditen für interessierte Anleger. Im weiteren Schritt sei geplant das Geschäft von Lastwagen-Reifen mit Teilen von ChemChina zusammenzulegen, um so das Volumen in dem Bereich von 6 Mio. auf 12 Mio. Pirelli Reifen verdoppeln zu können. Mit Exporten in 140 Ländern und der bevorstehenden Akquise von Pirelli erhofft sich der ChemChina Vorsitzende einen weltweiten Marktführer in der Reifenindustrie zu schaffen, möchte jedoch den Sitz und das Know-How von Pirelli in Italien belassen.

Zusätzlich würde Pirelli seine Macht in Asien weiter ausbauen können, zumal die Konkurrenten Michelin und Continental sich verstärkt nach Wachstumschancen in Asien umsehen. Als eine wahrscheinliche Alternative sehen beide Mitbewerber den Ausbau ihrer Geschäfte durch Übernahmen im asiatischen Raum.