Bonus für Bildung statt für Banker

By | October 8, 2013
Der Satz “too big to fail” wird hoffentlich als einer der größten Irrtümer der Menschheit in die Geschichte eingehen. Er kursierte zuletzt in der Finanzkrise der vergangenen Jahre und soll ausdrücken, dass der Staat mit Steuergeldern Banken stützt, die angeblich systemrelevant seien. Falsch: Das Einzige, was auf dieser Welt die Bezeichnung “systemrelevant” verdient, sind die Menschen. “Zu groß zum Scheitern” stellt einen Gedanken dar, der nicht einmal bei den Strukturen für Soziales, Bildung und Kultur erlaubt ist. Auch deren Kosten müssen in einem verantwortbaren Verhältnis zu anderen Aufgaben des Gemeinwohls stehen. Dazu zählt die Förderung der Privatwirtschaft als Grundlage von Massenwohlstand.
Das Prinzip “too big to fail” ist als Handlungsmuster einer Gesellschaft schon deswegen prinzipiell inakzeptabel, weil es den Staat erpressbar macht. Da begehen Banker aus blanker Habgier und purem Eigennutz mit Blick auf ihre Bonuszahlungen unverzeihliche Fehler, die einen Fall für die Justiz darstellen. Wenn aber die internationale Finanzwirtschaft diese Fehler nur lange genug begeht und der Schaden für das Gemeinwohl in unermessliche Größenordnungen steigt, heißt es auf einmal “too big to fail”. Dann kümmern sich nicht mehr Finanzaufsicht und Staatsanwaltschaft darum, sondern der ohnehin schon bankrotte Staat, der dem schlechten Geld gutes hinterherwirft.
Es handelt sich um ein absurdes Vorgehen, das die verantwortungslos Handelnden von jeder Haftung freispricht und sie ermuntert, mehr Geschäfte dieser Art zu machen. Sie beschädigen dann weiter das Gemeinwohl und ruinieren individuelle Existenzgrundlagen. Wo bleiben bei dieser Vorgehensweise eigentlich die viel beschworenen “Selbstheilungskräfte des Marktes?” Wahrscheinlich haben die Banker ihnen schon so viel Geld in ihre Menschen zertretenden Springerstiefel gesteckt, dass sie träge, taub und dumm geworden sind. Auch diese Kräfte heilen und bereichern nur noch sich selbst und nicht mehr den Markt, der den Menschen zu dienen hat – nicht etwa umgekehrt.
Wieso hatten die Regierungen nicht den Mut, die kriminellen Banken insolvent gehen zu lassen? Für ihre systemrelevanten Aufgaben wie die Sicherung der Renten hätte der Staat natürlich garantieren müssen – aber doch nicht für die Banker-Boni! Und niemand soll behaupten, eine solche Vorgehensweise habe etwas mit Sozialismus oder Revolution zu tun. Sie würde der Rettung eines menschenfreundlichen Kapitalismus dienen – nicht eines Menschen fressenden.